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Tenta

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Per Eigendefinition spielen Tenta Art-Rock. Jene MusikliebhaberInnen, die auch anderen Formen der Künste etwas abzugewinnen wissen, fühlen sich da natürlich sofort angesprochen. Rockmusik, die sich nicht nur in entladenem Testosteron äußert, sondern in künstlerischem Anspruch? Wunderbar. Auch musikalisch ist dieser Art-Rock von Tenta anspruchsvoll und bewegt sich irgendwo zwischen der Atmosphäre des Psychedelic Rock, der instrumentalen Vertracktheit des Progressive Rock und den eingängigeren Vocals radiotauglicherer Subgenres.

Selbst wenn der Großteil von Tentas Musik wahrlich nicht besonders konventionell ist, was sowohl Sound als auch Songwriting anbelangt, schafft es Sänger Andreas Kinzl mit seiner ansprechenden Stimme, die Songs zugänglich und eingängig zu machen. Was den Sound der Band aber insgesamt noch mehr prägt, ist nicht unbedingt die Stimme des Frontmanns. Es ist die (normalerweise) zweite Garde der Beteiligten: die Bassisten. Ja, mehrere Bassisten.

 

Seit 2015 musizieren Tenta in dieser unüblichen Besetzung mit zwei Bassisten (Arthur Darnhofer-Demár und Nicolas Fischer), aber dafür ohne Gitarristen. Mit der Bassgitarre rücken Tenta damit ein in der Rockmusik seit Ewigkeiten sträflich unterbewertetes Instrument in den Mittelpunkt. Tiefe Frequenzen und Groove sind doch wahrlich nicht zu unterschätzen. Das manifestiert sich natürlich auch auf interessante Art und Weise im Sound. In „Konsida de Bona Espero (Part 1)“, dem Closer des Debütalbums, türmen sich die tiefen Frequenzen nahezu diabolisch übereinander und bilden so eine intensive Soundwucht, von der Gitarristen wohl nur träumen können.

Auch hinsichtlich Rhythmik und Groove bekommen Tenta durch die Doppelbesetzung am Bass eine spannende Eigendynamik. Am Ende des Songs „Tor 5“ etwa wimmelt es nur so vor Bassläufen, die sich einmal konterkarieren und ein anderes Mal bündeln, um so zu einer interessanten Soundtiefe und Vielschichtigkeit zu gelangen. Allerdings führt das Fehlen eines Gitarristen beileibe nicht zu einem Mangel an Soundfacetten: Durch verschiedenste Effektpedale wird der Bass immer wieder in andere Soundgewänder gesteckt und ist teilweise von einer Gitarre kaum zu unterscheiden.

 

Freilich tragen auch die anderen Musiker zum sehr stimmigen Gesamtsound der Band bei, der sich irgendwo zwischen Avantgarde und Retro bewegt. Einerseits vermitteln altbackene Synthesizer-Sounds den Charme der 70er-Jahre (insbesondere bei „Solid Claim“), andererseits hören sich Tenta durch den kreativen Einsatz aller Instrumente sehr fortschrittlich an. Der heimliche Hit des Albums „Will and Blood“ etwa lebt von der Verknüpfung von Retro-Synthesizern mit elektronischen Drums und hypnotisierenden Vocals, die aus diesem simplen Song einen unvermittelten Ohrwurm machen. Irgendwo zwischen heraufbeschwörender Messe und melancholischem Lamentieren angesiedelt, verleihen die eindringliche Vocals vielen Songs einen sehr eigenen Charme.

Vergleichsweise geradlinig und energiegeladen präsentiert sich der rockige Track „Flag of Mentossa“, zu dem es auch ein schickes Musikvideo inklusive sich auf Karussellpferden expressionistisch bewegenden Damen gibt. Sollte sich das nächste Album der Band ähnlich professionell präsentieren wie dieses Musikvideo und sollten die Kompositionen an die Qualität des Erstlings anschließen, dürften Freundinnen und Freunde der experimentellen Rockmusik ihre Freude daran haben und sollten die Band jedenfalls auf dem Radar haben.

Es bleibt abzuwarten, wie schnell Tenta den Status als Geheimtipp ablegen werden. Aber es dürfte nur eine Frage der Zeit sein.

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