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Matz und die IMMO-Monster: Feuerwerk in der Zwischenzeit! - Tomash Schoiswohl

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Matz und die IMMO-Monster: Feuerwerk in der Zwischenzeit!

Tomash Schoiswohl

2017

 

Der kleine große Immobilien-Junior, die Baugesellschafts-Brüder und der eine andere Bösewicht halten die Stadt in Atem. Sie machen Traumwelten zur privaten Vorsorge. Der Bürgermeister ist verzaubert und verteilt Orden. Verordnungen und Hausordnungen kommen frei Haus. Die sozialen Widersprüche sind ein Dreck. Mach das weg. Die Rahmenbedingungen der unternehmerischen Stadt sind einwandfrei. Der Polizeipräsident will sozial verträgliche Bilder haben. Am Abend fahren die IMMO-Monster mit ihren sperrigen Geländewagen zufrieden nach Hause in ihre Baumhäuser. Erbschaftssteuer ist Scheiße, Natur ist überall.

 

In der Zwischenzeit regt sich Widerstand. Dort wächst eine bezaubernde Distel. Matz ist zu Besuch bei Freund_innen. Gemeinsam lachen sie über die Wortschöpfungen der IMMO-Monster: „Rundum Leben“ im „Viertel Zwei“. „Naturlebig“ und sehr „Lebensräumlich“ und „Praterluftig“ -  die ganze Geschichte. Ein „Milestone“, das „Studio Zwei“, oder „Denk Drei“. Auch ein „Campus“ macht sich immer gut. Im Portfolio der Landnahme. Sind Lachsalven hier ausreichend?

 

Als das Hause Habsburg noch was zu melden hatte, inszenierte sich die Herrschaft gerne mit aufwendigen Feuerwerken. Streng nach Hofzeremoniell. Wozu diese zur Schau gestellte Pulverisierung von seltenen Stoffen und Gütern? Zur Illustration technisch-militärischer Stärke; zur visuellen Übersetzung eines spezifischen Konzepts von legitimer Zeitlichkeit!

 

Im bürgerlichen Kunstfeuerwerk fand das Spektakel seine Fortsetzung. Vor rund 243 Jahren feuerte der Unternehmer Johann Stuwer sein Premierenfeuerwerk auf der Feuerwerkswiese im Prater. Vier Jahre später zündete er das Spektakel „Etwas Besonders auf dem neuen Plaze“ bereits auf einem großen hölzernen Gerüst. Dem Gegenüber saßen auf einer Tribüne tausende zahlende Zuseher und Zuseherinnen. Laternen beleuchteten die Wege, die Show verlief in mehreren „Fronten“. Mittels „Dekorationen“, „Kanonaden“, „Brillantschmuck“, „Fächern“, „Blumenbuketts“ wurden die mythologischen, phantastischen, kriegerischen oder quasi-dokumentarischen Geschichten erzählt. Bewegte Landschaften. Das Publikum war begeistert. „Die Wienerinnen und Wiener erfuhren vom bevorstehenden Feuerwerk durch einen uniformierten Ausrufer, der in Begleitung eines Trommlers und einiger Feuerwerksgehilfen durch die Straßen zog.“

 

Zu keiner Zeit ist der bezeichnete "Unfug" ganz verschwunden. Heute gibt sich die neoliberale Ordnung gerne zeitlos und alternativlos. Gleichzeitig passiert die enorme Anpassungsleistung der kapitalistischen Ökonomie über Aneignung, Raub, Enteignung, etc. Beide Momente gilt es ernsthaft und mit Witz zu bekämpfen. Die IMMO-Monster haben einen Alptraum: Freund_innen zünden Witzraketen, sie pflanzen Disteln, essen Kompott und sammeln Bausteine für eine andere Stadt: Eine gerechte Stadt für alle!

 

Tomash Schoiswohl lebt und arbeitet in Wien und Scharnstein. Er studierte Geschichte und Kunst in Wien und Glasgow und Critical Studies in Wien. In seinen künstlerisch-politischen Arbeiten beschäftigt er sich mit Aspekten von Stadtgeschichte, Kunst im öffentlichen Raum sowie Geschichtstheorie. Ein Schwerpunkt liegt auf der Erforschung des Wiener Matzleinsdorferplatzes – als einen Aufhänger für politische Kritik und einen Ort für utopisches Denken. Unter dem Titel "Geschichtsbaustelle (Baue wo du stehst!)” beschäftigt er sich in einer theoretischen und praktischen Auseinandersetzung mit konfrontativer Geschichtsarbeit.

http://matzab.tv

 

 

 

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